Kunststoff wird in Form gebracht

Unter der Rubrik "Gutes von hier - Spitzenproduke aus der Region" veröffentlicht die Schweriner Volkszeitung am 07.07.2014 im Ludwigluster Tageblatt folgenden Artikel.


Vom Babythron bis zum Angelkoffer: In der Seelandt & Utecht Kunststoffverarbeitung sind die Spritzgießmaschinen rund um die Uhr im Einsatz. Sie kennen sich aus Schweriner Abiturzeiten. Sie studierten gemeinsam in Wismar Maschinenbau und wagten 1990 zusammen den Schritt in die Selbstständigkeit. Das Konzept von Michael Seelandt (53) und Heiko Utecht (54): Herstellung und Vertrieb von Kunststoffartikeln. Der Firmenname: Seelandt & Utecht Kunststoffverarbeitung GmbH & Co. KG. Der Standort: ein elterliches Grundstück in Eldena. Die erste Belegschaft: die beiden Firmeninhaber. Der erste Jahresumsatz: „Vielleicht so um die 100 000 D-Mark“, erinnert sich Michael Seelandt. Heute, 24 Jahre später, arbeiten 25 Mitarbeiter in einer modernen, 2500 Quadratmeter großen Produktionsstätte im Schweriner Gewerbegebiet Am Fährweg, in dem zuletzt ein Jahresumsatz von rund drei Millionen Euro erwirtschaftet wurde. „Diese Entwicklung“, sagt Michael Seelandt, „hätten wir uns damals nicht vorstellen können.“

Eine Tür trennt den Verwaltungstrakt von der Produktionshalle. Wer sie aufzieht, steht auf einer kleinen Treppen-Plattform und hat alles im Blick. Die zehn kleinen und großen Spritzgießmaschinen, den großen, gelben Kran, der die schwergewichtigen Formen bewegen muss und das Rohrsystem, das sich an Wand und Decke entlangschlängelt, um die Maschinen mit Kunststoffgranulat zu versorgen.

Um die 20 Tonnen dieses Rohstoffes werden wöchentlich angeliefert, damit er in den Spritzgießmaschinen aufgeschmolzen werden kann, in Formen gepresst wird, später erkaltet und als fertiges Kunststoffprodukt ausgeliefert werden kann.

„Wir haben bei uns zwei größere Produktgruppen. Lüftungstechnik für Bauelemete ist die eine, Haushaltswaren-Produkte die andere“, sagt Michael Seelandt.

Hinten links in der Fertigungshalle liegen die wuchtigen Formen. Auf gelben Schildern steht, was in ihnen gegossen werden kann. Babythron, Toilettenbrille, Werkzeugkoffer-Oberteil – ohne diese Formen läuft nichts in der Produktion.

Frühschicht, Spätschicht, Nachtschicht – an fünf Tagen in der Woche läuft die Herstellung rund um die Uhr. „Jeweils fünf Leute arbeiten in einer Schicht“, weiß Firmengründer Seelandt. Und das Quintett bekommt Unterstützung. „Handling“, so wird der Robotor genannt, der jeweils auf einer der fünf neueren Spritzgießmaschinen installiert wurde. Er packt an, was Menschenhände nicht anfassen sollten: die heißen Elemente, die gerade in Form gebracht wurden und nun auf Abkühlung warten.

Manche Produkte wie beispielsweise Badewannenauflagen werden schon zu 100 oder 200 Stück angefertigt, kleine Befestigungselemente für Kabelbäume gehen millionenfach an die Auftraggeber, die vornehmlich in Deutschland beheimatet sind. „Wir liefern aber auch nach Skandinavien, Frankreich, England, Polen oder die Schweiz aus“, sagt Michael Seelandt. Und in die Niederlande, wo auch ein Händler sitzt, der vor kurzem 3000 Angelkoffer geordert hat.

15 Einzelteile muss Schülerpraktikant Tom Mathy miteinander verbinden, bis einer der Angelkoffer fertig ist. Neun Arbeitstage wird der Jugendliche von der Schule Neumühle in diesem Betrieb arbeiten, um ein paar Erfahrungen zu sammeln. „Vielleicht möchte ich später Maschinenbau studieren“, sagt der 15-Jährige. An dem Job hier gefalle ihm, so Mathy, dass er direkt sehen kann, was durch seine Arbeit entstehe. Und so wird aus vielen Einzelteilen ein ganzer Angelkoffer, der in Kartons verpackt und dann auf Paletten verstaut wird und ins Hochregallager kommt.

Das Lager ist voll. Wir haben vorgearbeitet, denn bald machen wir 14 Tage lang Betriebsferien“, sagt Unternehmer Michael Seelandt. Die Geschäfte laufen gut, die Wirtschaftskrise, die vor einigen Jahren viele Nerven und ein Drittel Umsatz gekostet hat, ist längst vorbei. Mittlerweile, so Seelandt, laufe es sogar besser als vor der Krise. Erweitern wollen Seelandt und Utecht ihren Betrieb vorerst nicht. Das Unternehmen funktioniert – und das soll auch in Zukunft so bleiben. Aber einen Auszubildenden, der den Beruf des Verfahrensmechaniker erlernen möchte, den würde das Unternehmen noch gerne einstellen. Wer Interesse hat, kann sich auf diese Lehrstelle bewerben.

Hans Taken